Anne-Katrin Mahlein
Stefanie Ranf
Gunther Doehlemann
Ralf Horbach
Patrick Schäfer
Marco Beyer

Julius Kühn-Preis 2016 für PD Dr. Anne-Katrin Mahlein u. Dr. Stefanie Ranf

Der Julius Kühn-Preis wird von der DPG alle 2 Jahre an Wissenschaftler unter 40 Jahre vergeben, die  »im Sinne Julius Kühns zur Entwicklung eines ökologisch und ökonomisch ausgerichteten Pflanzenschutzes beigetragen und die wissenschaftlichen Grundlagen dafür verbessert haben. In diesem Jahr haben sich die Mitglieder des Kuratoriums des Julius Kühn-Preises für die Verleihung von zwei Preisen entschieden: zum einen an die Privatdozentin Dr. Anne-Katrin Mahlein von der Universität Bonn und zum anderen an Dr. Stefanie Ranf von der Technischen Universität München. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Johannes Hallmann.

Frau Privatdozentin Dr. Anne-Katrin Mahlein hat in Bonn Agrarwissenschaften studiert und dieses im April 2007 als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Es folgte die Promotion am Institut für Nutzpflanzenforschung und Ressourcenschutz in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Heinz- Wilhelm Dehne sowie in enger Zusammenarbeit mit den Privatdozenten Dr. Erich Oerke und Dr. Ulrike Steiner. In dieser Zeit begann Frau Dr. Mahlein sich mit den Möglichkeiten fernerkundlicher Verfahren zur Erfassung von Pflanzenkrankheiten auseinanderzusetzen. 2011 promovierte sie mit dem Thema »Nachweis, Identifizierung und Quantifizierung pilzlicher Krankheitserreger mittels hyperspektraler Bildanalyse«. Hierfür erhielt sie den Promotionspreis für die beste Dissertation der Universität Bonn. Nach einer PostDoc Zeit mit Auslandsaufenthalt an der University of Manchester, UK, in der renommierten EAgrigroup, bei Prof. Bruce Grieve, leitet sie seit Januar 2014 eine unabhängige Nachwuchsforschergruppe im Rahmen des vom BMBF geförderten Kompetenznetzwerkes »Crop.Sens.e.net« zum Thema »Hyperspektrale Phänotypisierung der Resistenzreaktion bei Gerste«. Am 1. Juni 2016 habilitierte sich Frau Dr. Mahlein und erhielt die Venia Legendi für das Fachgebiet Phytomedizin. Frau Dr. Mahleins prioritäres Forschungsinteresse ist es, komplexe biochemische und bio-physikalische Veränderungen in Wirt- Pathogen-Interaktionen mit Hilfe hochsensitiver Spektralsensoren sichtbar zu machen. Die so gewonnen Erkenntnisse tragen entscheidend dazu bei, Befallssituationen frühzeitig zu diagnostizieren und pflanzliche Abwehrmechanismen besser zu verstehen. Pflanzenkrankheiten lassen sich damit optimaler bekämpfen, krankheits- resistente Genotypen und neue Wirkstoffe effizienter selektieren. Frau Mahlein arbeitet überaus interdisziplinär mit Kollegen aus der Informatik, Elektrophysik und Geodäsie ist, dass hyperspektraler Sensoren nun auch in der Humanmedizin eingesetzt werden. Frau Dr. Mahlein hat ihre Forschungsarbeiten in beeindruckenden 36 peer-reviewed Artikeln publiziert.

Frau Dr. Stefanie Ranf hat Biochemie an der Universität Regensburg studiert, arbeitete dann, im Rahmen eines DFG-Stipendiums, von 2003 bis 2004 an der University of South Carolina, USA. 2005 begann Frau Dr. Ranf ihre Promotion in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dierk Scheel und Dr. Justin Lee, Abteilung für Stress und Entwicklungsbiologie, Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie in Halle. Hierbei ging es um die Bedeutung des Calcium Signalings für die Immunabwehr der Pflanze. Nach Abschluss der Promotion im Jahr 2011 und einigen Monaten als PostDoc, wechselte sie 2013 in die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ralph Hückelhoven an den Lehrstuhl für Phytopathologie der Technischen Universität München. Zunächst eingestellt als wissenschaftliche Mitarbeiterin leitet sie seit März dieses Jahres ihre eigene, von der DFG im Rahmen der Exzellenzinitiative geförderte Emmy-Noether Forscher-Gruppe. Frau Dr. Ranf beschäftigt sich mit der Frage, wie wehren sich Pflanzen gegen Krankheitserreger. Pflanzen verfügen über verschiedenste Abwehrmechanismen, Krankheitserreger wiederum haben Strategien entwickelt, sich der Erkennung durch die Pflanze zu entziehen, bzw. pflanzliche Abwehrmechanismen auszuschalten, so dass es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen pflanzlicher Abwehr und Unterdrückung der pflanzlichen Abwehr durch den Schaderreger kommt. Frau Dr. Ranf gelang es nun für den bakteriellen Schaderreger Pseudomonas syringae die Prozesse der Signalübertragung zu identifizieren. Insbesondere untersuchte sie, wie konservierte Signalmoleküle, so genannte microbeassociated molecular patterns (MAMPS), des bakteriellen Schaderregers auf pflanzlicher Seite an spezifische Rezeptoren (host pattern-recognition receptors, PRR) binden und damit eine allgemeine Immunantwort induzieren. Als Signalmoleküle erwiesen sich im vorliegenden Fall die sogenannten Lipopolysaccharide, Bestandteile der äußeren Membranhülle von  P. syringae . Frau Dr. Ranf konnte nun erstmalig auf pflanzlicher Seite das dazugehörige Sensorprotein identifizieren, das für die LPS-induzierte Immunantwort erforderlich ist. Durch Übertragung dieses Sensors auf andere Pflanzen wurden diese dauerhaft resistent gegen ein breites Spektrum von Krankheitserregern. Somit besitzt dieses Verfahren enormes Potenzial für die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit unserer Kulturpflanzen vor Befall mit Schaderregern. Frau Dr. Ranf hat ihre Forschungsarbeiten in 14 peer-reviewed Artikeln in durchweg sehr hochklassigen Zeitschriften publiziert, darunter Nature Immunology.

Inhaber des Julius Kühn-Preises

2016: PD Dr. Anne-Katrin MAHLEIN, Bonn
2016: Dr. Stefanie RANF, München
2014: Prof. Dr. Gunther DOEHLEMANN, Halle
2012: Dr. Ralf HORBACH, Halle
2010: Dr. Patrick SCHÄFER, Gießen
2008: Dr. Marco BEYER, Kiel
2004: Prof. Dr. Harald SCHERM, Athens (USA)
2004: Dr. Ralph HÜCKELHOVEN, Gießen
2002: Dr. Johannes HALLMANN, Münster
2002: Prof. Dr. Thomas BAUM, Ames (USA)
1998: Dr. Erich-Christian OERKE, Bonn
1996: Prof. Dr. Andreas VON TIEDEMANN, Rostock
1994: Dr. sc. agr. Bärbel GEROWITT, Göttingen
1992: Dr. rer. hort. Edgar MAISS, Braunschweig
1990: Dr. agr. Joseph-Alexander VERREET, München-Weihenstephan
1988: Priv-Doz. Dr. agr. Heinz-Wilhelm DEHNE, Hannover
1986: Dr. Wolf-Dieter PHILIPP, Hohenheim
1984: Prof. Dr. rer. nat. Kurt MENDGEN, Konstanz
1981: Dr. rer. nat. Ingolf SCHUPHAN, Berlin
1979: Dr. agr. Heinrich BUCHENAUER, Bonn