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Integrierter Pflanzenschutz



Projektgruppe Kartoffel

Abstracts der Tagung 2004
Gefährdung des Kartoffelanbaus bei Einsatz von nicht getestetem Pflanzgut unter besonderer Berücksichtigung der EU-Erweiterung

Ingrid Wulfert, Robert Cernusko, Anna-Maria Walter
Landespflanzenschutzamt Mecklenburg-Vorpommern, Rostock

Die Testung der Pflanzkartoffelproduktion auf Quarantänebakteriosen erfolgt in Deutschland auf Grundlage der EU-Bekämpfungsrichtlinien nach einem harmonisierten Verfahren durch die Labore der amtlichen Pflanzenschutzdienste und ist Voraussetzung für die Anerkennung als Pflanzgut. Die intensive amtliche Überwachung der Pflanzguterzeugung bietet insgesamt ein hohes Maß an Sicherheit der Befallsfreiheit von Pflanzgutpartien. Korrekte Kennzeichnung des Pflanzgutes mit dem EG-Pflanzenpass im Saatgutverkehr sowie strikte Einhaltung von amtlichen Auflagen bei Befallsverdacht oder Befall von Pflanzgut sind im Interesse aller Pflanzguterzeuger unerlässlich. Verantwortungsloses Handeln und Verstöße gegen pflanzenschutz- und saatgutrechtliche Regelungen gefährden die getroffenen, erheblichen Aufwendungen in der Pflanzguterzeugung. An einem Nachbauversuch von einer mit Bakterieller Ringfäule infizierten, aufgegriffenen Partie wird das Risiko der Einschleppung durch latent befallenes Pflanzgut belegt.
Mit der EU-Erweiterung und dem Beitritt von 10 neuen Mitgliedstaaten erwachsen der Kartoffelproduktion sowohl neue Chancen als auch neue Herausforderungen. Folgende Änderungen der bisherigen EU-Regelungen auf dem Gebiet der Kartoffel betreffen nach dem 30.04.2004 alle Mitgliedstaaten:
Aufhebung des Importverbots für Speise- und Pflanzkartoffeln aus den Beitrittsländern (Einschränkungen für Polen und Litauen sind zu erwarten)
Änderung der Schutzgebiete
Aufhebung der Entscheidungen zur Anerkennung der Gleichwertigkeit von Bekämpfungs-maßnahmen
Aufhebung des Importverbotes von Versuchs- und Züchtungsmaterial aus den Beitrittsländern
Änderung der Schutzgebiete (Viren und virusähnliche Krankheitserreger / tierische Schaderreger) ab 1.05.2004:
Art Schutzgebiete
1. Beet necrotic yellow vein virus
(BNYVV)
Dänemark, Frankreich (Bretagne), Finnland, Irland, Litauen*), Portugal (Azoren), Vereinigtes Königreich (Nordirland)
2. Globodera pallida (Stone) Behrens Finnland, Lettland, Slowenien, Slowakei
3. Leptinotarsa decemlineata Say Spanien (Ibiza und Menorca), Irland, Cypern, Malta,
Portugal (Azoren und Madeira), Finnland (die Bezirke Aland, Häme, Kymi, Pirkanmaa, Satakunta, Turku, Uusimaa), Schweden (die Provinzen Blekinge, Gotland, Halland, Kalmar und Skane), Vereinigtes Königreich
*) Für Litauen anerkannt bis 31. März 2006.

Durch die Beitrittsländer ist andererseits eine Vielzahl pflanzenschutz- und saatgutrechtlicher Anforderungen zu übernehmen und umzusetzen. Im Wesentlichen zählen dazu:

  • mportinspektion an der EU-Außengrenze
  • Pflanzenpasssystem
  • Bekämpfungsrichtlinien (Clavibacter michiganensis ssp. sepedonicus; Ralstonia solanacearum; Synchytrium endobioticum; Globodera rostochiensis und Globodera pallida)
  • Richtlinie 2002/56/EG über den Verkehr mit Pflanzkartoffeln (v. 13. Juni 2002) Anhang I und II: zur Befallsfreiheit der Pflanzkartoffeln von Kartoffelkrebs, Bakterieller Ringfäule, Schleimkrankheit und Kartoffelnematoden).
Nach dem Stand der Beitrittsvorbereitungen werden diese Länder im Monitoring-Bericht der Europäischen Kommission in der überwiegenden Mehrheit der Bereiche als „beitrittsreif“ bewertet. Die Beitrittsländer haben einen hohen Grad an Rechtsangleichung erreicht und verdienen für diese Errungenschaften gewürdigt zu werden!
Betrachtet man den derzeitigen Stand der Kartoffelproduktion in den Beitrittskandidaten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechische Republik, Slowakische Republik und Ungarn im Vergleich zu den Mitglied-Staaten (46.445 Mio. t), so fällt insbesondere die Kartoffelproduktion in Polen mit einem Anteil von 15442 Mio. t stärker ins Gewicht (Quelle: FAOSTAT 9/03).
Im Monitoring-Bericht der EU (Kapitel 7, Landwirtschaft, phytosanitärer Sektor) werden jedoch Bedenken geäußert, dass Polen zum Beitrittstermin nicht in der Lage ist, die gleichen pflanzenschutzrechtlichen Voraussetzungen für die Kartoffelerzeugung zu bieten wie die jetzigen Mitgliedstaaten. Die Verpflichtungen zu Kartoffel-Ringfäule und Kartoffelkrebs werden noch nicht erfüllt. 1)
Entsprechend den Beitrittsverhandlungen mit Polen (Positionspapier 2002) ist eine Interimszeit von 10 Jahren vorgesehen, in denen in Polen nur Anbau krebsresistenter Sorten (Synchytrium endobioticum) zugelassen ist. Seitens Polen sind aktuelle Informationen über Auftreten von Krebspathotypen in Polen vorzulegen. Nach dem Beitrittstermin müssen Kartoffeln aus Polen einschließlich Speise- und Industriekartoffeln mit einem Herkunftsnachweis gekennzeichnet sein (Auszug: Amtsblatt der Europäischen Union vom 23.09.2003, Anforderungen an Polen).

Schlussfolgerungen

  • Mit dem am 1. Mai 2004 vorgesehenen Beitritt von 10 Beitrittsländern müssen die phytosanitären Vorschriften der EU übernommen sein.
  • Zur Durchführung der zollrechtlichen und phytosanitären Kontrollen an den Einlassstellen wurden keine Übergangsregelungen vereinbart. Zukünftig sind daher unkontrollierte Zufuhren von Kartoffeln zu erwarten!
  • Mit Einstellung der Grenzkontrollen nehmen Bedeutung und Umfang sachgerechter phytosanitärer Kontrollen im Binnenmarkt zu!
  • Die EG-Pflanzenpass-Regelung ist ab Beitritt auch für die Pflanzkartoffelerzeuger in den Beitrittsländern verbindlich.
  • Bei Verbringen von Kartoffeln in die Beitrittsländer sind neue Schutzgebietsregelungen zu beachten.
  • Um der Gefahr einer unbeabsichtigten Ein- und Verschleppung der Bakteriellen Ringfäule zu begegnen, ist die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen für die Pflanzkartoffelerzeugung sowie die sorgfältige Kontrolle aller Zufuhren erforderlich.
  • In Anbetracht der unmittelbar bevorstehenden EU-Erweiterung sollte der ausschließliche Einsatz von amtlich anerkanntem Pflanzgut zweifelsfreier Herkunft über Fach- und Regionalpresse stärker propagiert werden.
1) (Quelle:http://europa.eu.int/comm/enlargement/report_2003/index.htm)

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Einfluss der Schwefelversorgung auf die natürliche Resistenz von Kulturpflanzen unter besonderer Berücksichtigung der Kartoffel

Elke Bloem, Silvia Haneklaus, Ewald Schnug
Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Bundesallee 50, 38116 Braunschweig

In den letzten 20 Jahren sind die Schwefel (S)-Einträge aufgrund von Maßnahmen zur Luftreinhaltung, Senkung des S-Gehaltes in Kraftstoffen sowie der Herstellung reiner Dünger, die nicht länger S als Nebenbestandteil enthielten, drastisch von ca. 50 kg/ha auf nunmehr häufig unter 10 kg/ha gesunken. S-Mangel ist daher heute auf landwirtschaftlich genutzten Böden eine der häufigsten Ernährungsstörungen bei Kulturpflanzen. Des weiteren wurde zeitgleich mit dem Rückgang der S-Depositionen eine Zunahme an Pilzerkrankungen in der Landwirtschaft beobachtet. Feldversuche zu Raps und Wein haben einen Zusammenhang zwischen einer Erkrankung mit Pyrenopeziza brassicae bzw. Uncinula necator und der S-Versorgung aufzeigen können (Schnug et al. 1995, Bourbos et al., 2000). Kürzlich wurde nun auch bei der Kartoffel ein Zusammenhang zwischen dem Befall mit Rhizoctonia solani und der S-Versorgung nachgewiesen (Klikocka et al., 2004). In diesen Feldversuchen wurde Schwefel in unterschiedlicher Menge (0, 25, 50 kg S/ha) und Form (Kaliumsulfat und Elementarschwefel) auf den Boden ausgebracht und der Einfluss auf den Boden-pH-Wert, den Kartoffelertrag und den Befall der Kartoffel mit Rhizoctonia solani und Streptomyces scabies untersucht. Die Elementarschwefeldüngung führte zu einer Absenkung des Boden-pH-Wertes von 5.9 auf 5.3, die den Befall mit Streptomyces scabies entsprechend signifikant reduzierte. Der Erreger Rhizoctonia solani reagierte sowohl auf die Schwefeldüngung, als auch auf die pH-Wertabsenkung: mit S-Düngung nahm die Infektionsrate der Kartoffeln mit Rhizoctonia um 8.1% ab und die Intensität des Befalls wurde ebenfalls signifikant gesenkt. Die pH-Wertabsenkung reduzierte den Befall (5.5%) und die Intensität der Infektion.
In Abhängigkeit von der Form sind zwei verschiedene Wirkungen der S-Düngung zu unterscheiden. Elementar-S wirkt bodenversauernd und mindert insbesondere den Befall mit Streptomyces scabies. Im Vergleich hierzu wird bei der S-induzierten Resistenz S von der Pflanze aufgenommen und Stoffwechselprodukte innerhalb der Pflanze werden gegen den Pilz wirksam. Die genauen Mechanismen der SIR sind bislang noch nicht geklärt, jedoch Gegenstand laufender Untersuchungen. Bei Raps hat sich gezeigt, dass bei Pilzbefall der Cystein- und Glutathiongehalt und das Potenzial zur H2S Freisetzung anstiegen (Bloem et al., 2004). Diese Mechanismen könnten auch bei der Kartoffel eine Rolle spielen und daher empfiehlt sich eine resistenzfördernde S-Düngung zu Kartoffeln, wobei eine Düngung von 50 kg S/ha in der Regel ausreichend sein dürfte, um sowohl den Ertrag zu sichern als auch die Resistenz gegenüber pilzlichen Schaderregern zu fördern. Der große Vorteil bei dieser Form der Pathogenbekämpfung liegt darin, dass die Pathogene keine Resistenz gegenüber Schwefel entwickeln können und sie auch im organischen Landbau praktikabel ist.

Literatur:
Bloem, E., Haneklaus, S., Papenbrock, J., Riemenschneider, A., Salac, I., Schmidt, A., Schnug, E., Volker, J. Sulfur supply and infection with Pyrenopeziza brassicae influence L-cysteine desulfhydrase activity in Brassica napus L. J. Experimental Botany 2004, (submitted)
Bourbos, V.A.; Skoudridakis, M.T.; Barbopoulou, E.; Venetis, K. Ecological control of grape powdery mildew (Uncinula necator). 2000, Http://www.landwirtschaft-mlr.badenwuerttemberg.de/la/lvwo/kongress/SULFUR.html.
Klikocka, H.; Haneklaus, S.; Bloem, E.; Schnug, E. Influence of sulfur fertilization on infections of potato tubers (Solanum Tuberosum) with Rhizoctonia solani and Streptomyces scabies. J. Plant Nutrition 2004 (submitted).
Schnug, E.; Booth, E.; Haneklaus, S.; Walker, K.C. Sulphur supply and stress resistance in oilseed rape. Proc. 9th Int. Rapeseed Congress, Cambridge, 1995; 229-231.


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Chancen relativer Krautfäuleresistenz als Faktor der integrierten Phytophthora-Bekämp­fung bei Kartoffeln

U. Darsow, Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen, Institut für landwirt­schaftliche Kulturen, Rudolf-Schick-Platz 3b, 18190 Groß Lüsewitz

Kartoffeln gehören zu den Kulturen mit intensivstem chemischem Pflanzenschutz. Der Haupt­anteil bezieht sich dabei auf die Bekämpfung der Kraut- und Braunfäule. Quantitativ erhöhte Krautfäuleresistenz der Sorten trägt durch verminderten Einsatz von Fungiziden in der Phyto­phthora-Be­kämpfung zum Umweltschutz und zu nachhaltiger Landwirtschaft wirksam bei. In letz­ten Jahren wurde die Nutzung dieses Vorteils in der Literatur verstärkt thematisiert. Ein­spa­­rung bei resistenten Sorten kann nach vorliegenden Untersuchungsergeb­nissen mit ge­ring­stem Risiko am Anfang der Behandlungsfolge mit Fungiziden vorgenommen werden, und zwar durch Redu­zie­rung der empfohlenen Aufwandmenge auf bis ein Drittel (Hansen 2002, Nielsen 2004, Sche­pers 2004). Verlängerte Spritzabstände für resistente Sorten bewährten sich weniger (Kirk u.a. 2001, Gans 2003). Zur vollen Ausnutzung des Einsparungspotentials bedarf es nicht nur ver­trau­enswürdiger Einstufung des quantitativen Niveaus der Krautfäu­le­re­si­stenz, sondern mög­lichst weitergehender Charakterisierung dieser Resistenz im Sinne des sortentypischen Krank­heitsverlaufs. Zu beiden Aspekten gibt es international dringen­den Hand­­lungsbedarf. Die Sorteneinstufung für Krautfäuleresistenz durch das Bundessorten­amt er­folgt bisher nach unseren begrenzten Vergleichen um etwa 2 Noten zu günstig (Darsow 2003), im niederlän­di­schen Sortenkatalog um 2,5 Noten zu hoch (Flier u. van den Bosch 2004).
Die Ermittlung und Bewertung der Krautfäuleresistenz hat methodische Probleme, von deren Lösung Fortschritt in der integrierten Bekämpfung wie in der Resistenzzüchtung abhängt. Für Aspekte der Bekämpfung hat sich eine Charakterisierung der Resistenz durch die Fläche unter der Befallsverlaufskurve (RAUDPC), den Anstieg der Kurve (AIR, apparent infection rate), die Befallsverzögerung und den Endbefall etabliert. Diese Parameter werden aus wenigen Be­­ob­achtungsterminen mit Computerprogrammen errechnet. Im Jahre 2003 wurde für 27 Sor­ten und einen Zuchtstamm der BAZ die Resi­stenz­bewertung nach eigener Methodik (FBRGL, Krautfäuleresistenz Groß Lüsewitz) mit den oben genannten weiteren Parametern vergli­chen, deren Berechnung durch J.G. Hansen im Web-blight erfolgte. In einer spezifischen Feldprü­fung auf Krautfäuleresistenz in Groß Lüse­witz mit Inokulation jedes Klons am 10. Juli (Viru­lenzgen­kom­plex 1-11, BBA), Wind­schutz und Beregnung wurden Befallsdaten an 15 Beob­achtungsterminen erhoben. Es zeigte sich, dass AIR und RAUDPC unsere Resistenznote FBRGL zu weniger als 50% erklären konn­ten. Während unsere Krautfäuleresistenznote FBRGL nur zu 3% durch die Reifezeit beeinflusst war, konnte AIR zu 52% aus der Reifezeit erklärt werden, RAUDPC zu 29% und die Verzö­ge­rung des Befalls zu 47%. Aus der Sicht der Bekämp­fungs­beratung mag die Kombination der Angaben RAUDPC, AIR, Verzögerung des Befalls und Endbefall eine hinreichende Be­schreibung des Sortenverhaltens ergeben. Für die Züchtung erscheint eine treffende Charakterisierung in einem Wert erforderlich.
Entscheidende Voraussetzung für Fortschritt in der Züchtung auf rassenunabhängige Kraut­fäu­leresistenz war und ist jedoch eine Bewertungsmethode der Resistenz, die den Einfluß der Reife­zeit ab­trennt. Damit wurde im Laufe von 20 Jahren der Anteil hoch resistenter Zucht­klo­ne mit we­nig­stens mittelfrüher Reifezeit an der BAZ von 0 auf 50 % verändert.
Unsere empi­rische Me­thode ist jedoch schwer nachvollziehbar und zeitaufwendig. Eine anwender­freundli­che Form soll entwickelt werden. Für die Selektion von Zuchtmaterial erscheinen die übrigen Pa­ra­meter der Resistenz allein jeweils nicht geeignet. Beste mittelfrühe BAZ-Klone zeigten gegenüber Sor­ten um 21/2 Wochen verzögerten Befallsverlauf bei extremem Infektionsdruck und ohne Fun­gizid­schutz. Es wird erwartet, dass durch Nutzung des Zuchtfortschritts aus der Züch­tungs­for­schung der BAZ neue, resistentere Sorten gezüchtet werden, die mit einem Drit­tel des derzeit üblichen Fungizideinsatzes auskommen. Die Rolle der Resistenzkomponenten dabei wurde erläutert.

Literatur:
Gans P. 2003. The rational use of fungicides in combination with cultivar resistance. Proceedings of the 7th Workshop of an European Network for Development of an Integrated Control Strategy of Potato Late Blight. Special Report No. 9, PPO 308, 59-66.
Hansen J.G., Bodger L., Nielsen B.J. 2002. Implementation of variety resistance in control strategies of potato late blight. Proceedings of the 6th Workshop of an European Network for Development of an Integrated Control Strategy of Potato Late Blight. Special Report No. 8, PPO 304, 111-123.
Kirk W.W., Felcher K.J., Douches D.S., Coombs J. 2001. Effect of host plant resistance and reduced rates and frequencies of fungicide application to control late blight. Plant Disease 85, 1113-1118.


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Beizung gegen Phytophthora infestans im Kartoffelanbau. Ergebnisse des Jahres 2003

S. Wohlleben
Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft
Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland, Messeweg 11/12, 38104 Braunschweig

In Feld- und Laborversuchen an der BBA Braunschweig sowie durch einen Gemeinschaftsversuch in Zusammenarbeit mit Dienststellen und Beratungseinrichtungen der Länder (LWK Hannover, LWK Weser-Ems, LWK Nordrhein-Westfalen, LPSA Mecklenburg-Vorpommern, LAP Baden-Württemberg, DLR Rheinland-Pfalz, Beratungsring Kartoffelanbau Westküste, KTBL Dethlingen) sowie der Industrie (Spiess-Urania, BASF, Bayer CropScience, Menno-Chemie) wurde der Frage nachgegangen, ob durch eine fungizide Pflanzgutbeizung der Primärbefall der Kartoffel mit Phytophthora infestans reduziert werden kann.
Im Feldversuch 1 an der BBA Braunschweig (Standort Ahlum, Sorte Kolibri) mit den Varianten 2 kg/ha Ridomil Gold MZ, 5 kg/ha Dithane Ultra, 2 kg/ha Acrobat Plus, 1,5 l/ha Monceren fl. + 1 kg/ha Euparen, 0,4 l/ha Shirlan und 4 l/ha Tattoo (Applikation beim Legen der Kartoffeln, gelöst in 80 l Wasser/ha) waren in keiner Variante Pflanzenunverträglichkeiten oder Wachtumsdepressionen beim Auflaufen zu beobachten. Auf Grund der Trockenheit trat während der gesamten Vegetationsperiode keine Krautfäule auf. Daher lieferte dieser Versuch keine Ergebnisse zum Einfluss der Beizvarianten auf den Primärbefall.
Im Versuch 2 am Standort Braunschweig (Sorte Kolibri) erfolgte die Beizung im stationären Verfahren an der KTBL-Versuchsstation Dethlingen (Mafex-Gerät: Varianten 1 - 3:
1. Wasser, 2. Dithane Ultra WP (Mancozeb) 5 kg/ha, 3. Ridomil Gold MZ (Mancozeb + Metalaxyl-M) 1,9 kg/ha; Horstine Gerät: Variante 4: 2,1 kg/ha Ridomil Gold MZ). Nach dem Auflaufen der Pflanzen (12.05.03) wurden an 6 Terminen (19. und 27. Mai sowie 4., 11., 19. und 26. Juni 2003) Blattproben aus dem mittleren Pflanzenbereich entnommen und diese im Labor mit einer Phytophthora infestans-Zoosporensuspension (10.000 und 30.000 Zoosporen pro ml) inokuliert. Die Befallsbonitur nach jeweils 5tägiger Lagerung unter kontrollierten Bedingungen (100 % rel. Luftfeuchte, 14°C, 18 h Licht) zeigte an allen Terminen einen reduzierten Phytophthora-Befall in den Varianten 3 und 4 (Beizung mit Ridomil Gold MZ) (Abbildung 1).
Die abnehmende Befallsreduktion im Laufe der Zeit kann durch die zunehmende Verdünnung der Wirkstoffe in den wachsenden Kartoffelpflanzen und den Abbau der Wirkstoffe erklärt werden.

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Abbildung 1: Befall mit Phytophthora infestans nach Inokulation von Blattproben im Labor (10.000 Zoosp./ml) in Abhängigkeit von der Pflanzgutbeizung, Befall Kontrolle = 100%, Standort Braunschweig 2003
Diese Ergebnisse zeigen, dass reine Kontaktwirkstoffe (Mancozeb) nach einer Beizung nicht in den Spross verlagert werden. Sie können daher einen frühen Sekundärbefall, der durch einen Zuflug von Sporangien ausgelöst wird, nicht verhindern. Dem gegenüber besteht mit systemischen Wirkstoffen (Metalaxyl-M) die Möglichkeit, frühe Sekundärinfektionen zu reduzieren. Beide Wirkstoffgruppen können vom Pflanzgut ausgehenden Befall vermindern, wenn der Erreger auf der infizierten Pflanzknolle sporuliert und über freigesetzte Zoosporen am Stängel Primärbefall verursacht.
Die Ergebnisse zeigen an allen Terminen eine stärkere Befallsreduktion nach der
Ridomil MZ Gold-Beizung mit dem Horstine-Gerät im Vergleich zum Mantis-Gerät. Die Horstine-Anlage reduziert durch ein elektrostatisches Feld die Abdrift beim Beizvorgang und unterstützt damit gleichzeitig die Anlagerung der Pflanzenschutzmittel an die Pflanzknollen, wodurch der verbesserte Wirkungsgrad erklärt werden kann.
Auf Grund der ungewöhnlichen Trockenheit im Versuchsjahr 2003 trat in dem Gemeinschaftsversuch nur an 7 von 13 Standorten ein ausreichender Krautfäulebefall auf. An 4 Standorten mit Befall war in Abhängigkeit von der Pflanzgutbehandlung eine Befallsreduktion zum ersten Boniturtermin feststellbar. An diesen 4 Standorten (LWK Weser-Ems, LAP Baden-Württemberg, Beratungsring Kartoffelanbau Westküste, Spiess-Urania)
reduzierte die Beizung mit 2 kg/ha Ridomil Gold MZ den Erstbefall durch Phytophthora
infestans
(2 Versuche mit Stängelbefall). Da an 3 Standorten die Beizapplikation beim Legen der Kartoffeln erfolgte, scheint die mit diesem Verfahren erreichbare Benetzung der Pflanzknollen ausreichen zu sein.
Bei gleicher Applikationstechnik war an 2 Standorten in der Variante 5 kg/ha Dithane Ultra WP ebenfalls eine Befallsreduktion zum ersten Boniturtermin sichtbar. Bevor aus diesem Ergebnis abgeleitet wird, dass hier tatsächlich der von der Pflanzknolle ausgehende Befall vermindert wurde, sollte dieses Ergebnis durch weitere Untersuchungen unter natürlichen Befallsbedingungen bestätigt werden. Ein ähnlicher Sachverhalt liegt bei der Beizanwendung von 1,6 l/ha Menno Florades (Benzoesäure) vor. Dieses Mittel wurde an einem Standort eingesetzt. In der Variante mit diesem Mittel trat der Erstbefall 10 Tagen später als in der Kontrollvariante auf.
Pflanzenschäden oder eine Verzögerung des Pflanzenwachstums traten in den genannten Varianten an keinem Standort auf.
Auf Grund der Laboruntersuchungen (künstliche Inokulation) und der Freilandergebnisse (natürlicher Befall) wird deutlich, dass in der Anwendung von Ridomil Gold MZ oder anderen Mitteln mit systemischen Wirkstoffen beim Legen der Pflanzknollen das größte Potenzial zur Bekämpfung des Frühbefalls durch Phytophthora infestans liegt. Durch die Applikation von systemischen Wirkstoffen kann von der Pflanzknolle ausgehender Befall sowie früher Sekundärbefall (Zuflug von Sporangien) reduziert werden. Auch besteht prinzipiell die Möglichkeit, dass eine mögliche Infektion der Kartoffelpflanzen durch keimende Oosporen vermindert wird.
Es gibt derzeit kein zugelassenes Pflanzenschutzmittel zur Phytophthora-Bekämpfung beim Legen der Kartoffeln. Das Pflanzeschutzmittel Dithane Ultra WP in der Anwendung als Beizmittel gegen Rhizoctonia solani in Kartoffeln kann jedoch - wenn sich die o.g. Ergebnisse bestätigen -auf Grund seiner Nebenwirkung gegen Phytophthora infestans genutzt werden.
Ungeklärt ist bisher eine mögliche Resistenzförderung durch die Anwendung vom Phytophthora-Mitteln beim Legen der Kartoffeln. Diese Frage ist vor allem für das Mittel
Ridomil Gold MZ mit dem Wirkstoff Metalaxyl-M zu klären.

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Bekämpfung von Phytophthora - Primärbefall (Stängelbefall)

Zellner, M., Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz,
Lange Point 10, 85354 Freising-Weihenstephan, E-Mail: Michael.Zellner@LfL.bayern.de

Eine erfolgreiche Bekämpfung der Krautfäule in Kartoffeln steht und fällt mit der termingerechten Erstbehandlung. Hauptproblem ist, dass der Ausbruch der durch den Pilz Phytophthora infestans verursachten Krankheit, in einem Jahr schon sehr früh und in einem anderen Jahr deutlich später erfolgen kann. Ausgehend von infizierten Knollen besiedelt der Krautfäuleerreger die Stängel und wächst nach oben. Krank aufwachsende Stauden (Erst- bzw. Primärbefall) zeigen sehr früh Krautfäulesymptome am Stängel oder auch am Wipfel.
Um den Einfluss von Niederschlag und Bodenfeuchte auf das Auftreten von Phytophthora - Primärbefall zu untersuchen, wurden auf den Standorten Puch (schwerer Boden) und Strassmoos (leichter Boden) Versuche mit infizierten Pflanzknollen durchgeführt. Die Auspflanzung der mit 50 Zoosporen inokulierten Knollen erfolgte auf beiden Standorten zu einem frühen (Anfang April) und einem

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Abbildung: Zusammenhang zwischen Niederschlag und Auftreten von Primärbefall
späten (Anfang Mai) Zeitpunkt. Im Mittelpunkt der Versuche stand auch die Frage, ob sich durch eine Knollenbeizung oder optimal terminierte Fungizidspritzung der Phytophthora-Primärbefall reduzieren lässt. Dazu wurden zum einen Knollen vor der Auspflanzung mit dem Krautfäulefungizid Epok (50 ml/dt) gebeizt. Zum anderen wurden die Stängel von ungebeizt aufwachsenden Knollen mit Hilfe der PCR-Untersuchungsmethode laufend auf latenten Phytophthora-Befall untersucht und beim ersten positiven Befund das Versuchsglied mit Ridomil Gold MZ (2kg/ha) gegen Krautfäule behandelt.
Wie aus der Abbildung zu ersehen ist, ging dem Auftreten von Primärbefall bei allen Auflaufterminen eine Niederschlagsmenge von etwa 20 mm eine Woche vorher voraus. Kartoffeln, die in Puch Anfang April gepflanzt wurden, hatten später 10 % Stängelbefall. Auf dem selben Standort wiesen die Anfang Mai gelegten Knollen jedoch unter 1 % Primärbefall auf. Der Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Bodenfeuchte. Zwar gingen dem Krankheitsauftreten vergleichbare Niederschläge voraus, die Temperatursumme zwischen Niederschlag und Auftreten von Stängel-Symptomen lag jedoch beim späten Pflanztermin im Vergleich zum frühen Termin um über ein Drittel höher. Dadurch war die Bodenfeuchte, und als Folge daraus auch der Stängelbefall, niedriger. In Strassmoos war die Bodenfeuchte aufgrund des leichten Bodens generell niedriger und deshalb erreichte der Primärbefall bei beiden Pflanzterminen nur 1%. Die Versuchsergebnisse bestätigen, dass der Standort (Niederschläge, Temperatur, Bodenart) und der Pflanztermin einen entscheidenden Einfluss auf den Primärbefall haben.
In den Versuchsgliedern mit Beizung der Pflanzenknollen konnte der Phytophthora - Stängelbefall im Vergleich zur unbehandelten Kontrollvariante um etwa zwei Drittel reduziert werden. Ein noch höherer Bekämpfungserfolg wurde durch die mit Hilfe der PCR optimal terminierten Fungizidspritzungen erreicht. In den Versuchen konnte auch erstmals nachgewiesen werden, dass Phytophthora infestans bereits im Boden von der erkrankten Mutterknolle aus auf direktem Wege die Tochterknollen infiziert.

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PCR Nachweis des Erregers des Kartoffelkrebses Synchytrium endobioticum

F. Niepold und H. Stachewicz, Biologische Bundesanstalt, Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland, Braunschweig und Kleinmachnow

Bei der Beurteilung von Anfälligkeits- und Abwehrreaktionen bei Kartoffeln gegen den obligat biotrophen Pilz Synchytrium endobioticum (Erreger des Kartoffelkrebses) lassen sich eindeutige Resistenz- (nekrotisiertes Gewebe) und Anfälligkeitsreaktionen (blumenkohlartige Wucherung) problemlos unterscheiden. Schwieriger sind die sogenannten „Grenzfälle“ zu beurteilen, bei denen zwischen „moderat anfällig“ und „schwach resistent“ unterschieden wird. Hier hat sich die PCR als besonders hilfreich erwiesen, da sie mit dem sogenannten „bottleneck Verfahren“ die freigesetzten Zoosporen nachweisen kann. Der Vorteil bei Verwendung von Zoosporen ist der Umstand, dass nur von noch lebenden Kleinst-Wucherungen (Sommersori) des Pilzes auch lebende Zoosporen ausgeschieden werden können. Somit kann die PCR über den Nachweis von Zoosporen den Grenzfall „moderat anfällig“ gut anzeigen. Bei der schon „schwach resistent“ reagierenden Kartoffelsorte können keine Zoosporen gebildet werden, weil die Pflanze alle lebenden Sommersori und somit auch ihre Zoosporen durch ihre Resistenzreaktion abgetötet hat.
Der Nachweis von Dauersori, den Überlebensorganen des Kartoffelkrebses im Boden, ist deshalb besonders wichtig, da diese Dauersori bis zu 30 Jahren im Boden überleben können. Auch hier wurde die PCR zum Nachweis von noch lebenden Dauersori eingesetzt. Bislang war es uns allerdings nicht möglich, amplifizierbare DNA direkt aus den im Boden befindlichen Dauersori zu gewinnen. Allerdings bietet sich auch hier die Möglichkeit, die Dauersori indirekt in einer Bodenlösung über die geschlüpften Zoosporen nachzuweisen. Leider schlüpfen die Zoosporen aber nicht alle gleichzeitig, weshalb auch nur immer eine relativ geringe Anzahl von Zoosporen im wässrigen Überstand zu finden ist. Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass sich das „bottleneck“ Verfahren zum Nachweis von noch lebenden Dauerorganen des Kartoffelkrebses im Boden eignen kann. Eine Unterscheidung der einzelnen Krebsrassen (zur Zeit werden vier Krebsrassen in Deutschland zur Resistenzprüfung verwendet) soll in Zukunft auch mit der PCR ermöglicht werden, um so die arbeitsaufwendige Testung an verschiedenen, kaum mehr zur Verfügung stehenden Kartoffelsorten zu unterstützen.


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Grundsätzliche Überlegungen zur zukünftigen Strategie der Blattlausbekämpfung in Kartoffeln

G.Lauenstein, Oldenburg

Das Jahr 2003 brachte in mehreren Produktionsregionen eine überraschend starke Massenvermehrung der Blattläuse, die Bekämpfungsmaßnahmen in Konsumbeständen erforderlich machten. Diese Maßnahmen wiederum führten in Verbindung mit den Auswirkungen der vorherrschenden Dürre und parasitologischen Vorbelastungen der Völker zu nennenswerten Bienenverlusten. Die Behandlung von Pflanzkartoffelbeständen war an diesen Verlusten nicht ursächlich beteiligt. Das Jahr 2003 brachte aber auch einschneidende Veränderungen in der Zulassungssituation bei geeigneten Aphiziden, insbesondere den Mitteln mit pyrethroiden Wirkstoffen. Sowohl die Erkenntnis, dass Aphizidanwendungen in Kartoffeln während krisenhafter Situationen zu Bienenschäden führen, als auch die ungewöhnlichen Dichteveränderungen bei den Blattläusen sowie die zulassungsbedingte Verarmung im Mittelspektrum machen strategische Änderungen erforderlich.
In Pflanzkartoffeln steht die Verhinderung der Virusinfektionen im Vordergrund. Schwer zu erklärende Versuchsresultate sind unter Beachtung von bisher vernachlässigten Kriterien zu interpretieren. Beispiele: kein Aphizid kann die ersten Anstiche verhindern, es gibt also eine unvermeidbare Infektionsrate. Diese Rate könnte nur dadurch gemindert werden, dass Mittel entwickelt werden, die das Verhalten der Blattläuse (die Schlüsselreizkette) hinsichtlich der Wirtswahl oder der Anstiche ändern. Die Rate wird auch bestimmt vom Anteil der Blattläuse, die tatsächlich Viruspartikel tragen; dieser Anteil schwankt -wenn Erkenntnisse aus dem Getreidebereich übertragen werden- im Vergleich der Regionen, der Jahreszeiten und der Jahre. Weiterhin steuern standortspezifische Faktoren sowie Qualitäten der Pflanze (z.B. die Virusanfälligkeit) das Geschehen. Innerhalb dieses Rahmens werden verschiedene Strategien mit/ohne Beizmittel, unter Nutzung noch vorhandener Pyrethroide und unter Berücksichtigung der systemischen Eigenschaften weiterer Präparate entworfen.
Bei den Konsumkartoffeln zwingen die Bienenverluste auch unter Berücksichtigung des § 2 der Bienenschutzverordnung zum Verzicht auf bienengefährliche Präparate. Um Entwicklungen wie 2003 in Zukunft verhindern zu können, werden hier unter Berücksichtigung der Warndiensthinweise der Länder 2-3 Behandlungen empfohlen, die in die exponentielle Phase der Sommervermehrung platziert werden.


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Neue Ansätze zur Drahtwurmbekämpfung in Kartoffeln

Zellner, M., Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz,
Lange Point 10, 85354 Freising-Weihenstephan, E-Mail: Michael.Zellner@LfL.bayern.de

Drahtwürmer in Kartoffeln sind sowohl in konventionell als auch in ökologisch bewirtschafteten Flächen auf dem Vormarsch. Der Schaden für den Landwirt besteht in erster Linie darin, dass geschädigte Partien nicht als Speise-, Veredelungs- oder Pflanzkartoffeln vermarktet werden können.
In einer zweijährigen Versuchsreihe wurde auf jeweils zwei Standorten mit Pyrethroide inkrustierte Weizenkörner unmittelbar vor der Kartoffelpflanzung (100 - 200 Weizenkörner/m2) ganzflächig ausgebracht und flach in den Boden eingearbeitet. Zur Kartoffelernte erfolgte an den Knollen eine Bonitur auf Fraßstellen.
In den beiden Versuchsjahren wurde durch das Köderverfahren der Drahtwurmbesatz um bis zu 74 % reduziert. Jedoch konnten diese Wirkungsgrade nur erzielt werden, wenn der Weizen keimte und auflief. Unterblieb die Weizenkeimung (z.B. wegen Einsatz von gegen Getreide wirksamen Bodenherbiziden), lag der Bekämpfungserfolg nur bei etwa 40 %. Nach diesen Ergebnissen scheint das Köderverfahren mit keimenden Weizenkörnern ein geeigneter Ansatz zur Drahtwurmbekämpfung zu sein. Jedoch sind weitere Versuche zur Optimierung im Hinblick auf Insektizidwahl, Aufwandmenge (Präparat, Weizenkörner) und Anwendungszeitpunkt notwendig. Um schneller eine praxistaugliche Lösung erarbeiten zu können, beteiligen sich in diesem Jahr einige Pflanzenschutzdienststellen an einem bundesweiten Ringversuch.


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Anmerkungen zum Thema: „Drahtwurmbekämpfung in Kartoffeln“

Dr. Dietmar Demmler
Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum, Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Dienstsitz Neustadt/W

Drahtwürmer sind die Larven verschiedener Schnellkäferarten mit einer Entwicklungsdauer zwischen 3 und 5 Jahren. Die Fraßschäden nehmen mit dem Alter (Größe) der Larven zu ( ab 2. / 3. Jahr ). Schnellkäfer selbst verursachen kaum Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen. Im Gegensatz zu vielen anderen Kulturen geht es bei Kartoffeln um den Schutz der Tochterknollen. Die Fraßschäden treten erst sehr spät, d.h. nach dem Absterben der Wurzeln auf und nehmen bei anhaltender Trockenheit noch deutlich zu.
Möglichkeiten zur Bekämpfung:

  • Dezimierung der Alttiere Mitte Mai bis Ende Juni mittels Hormonfallen. Diese Methode ist bisher nicht im Einsatz.
  • Dezimieren von Junglarven + Altlarven + verpuppten Käfern durch intensive Bodenbearbeitung mit Fräse oder Scheibenegge im August/September
  • Chemische Bekämpfung in Kartoffeln mit Monceren +G oder Kalkstickstoff.
    Der Dünger ( 5 - 6 dt/ha) kann entweder vorm Pflanzen oder vorm Häufeln ausgebracht werden.
    Monceren + Gaucho ( 2 l /ha) wird meist beim Legen in die Furche mit ca. 80 l /ha gesprüht.
Der Bekämpfungserfolg ist abhängig vom Anwendungstermin und dem Wirkungsmechanismus. Bei zu frühem Einsatztermin ( Bodentemperaturen < 8°C ) sind die Drahtwürmer noch nicht in der Ackerkrume. Die Dauer der Bodenentseuchung (= Cyanamid-Phase) reicht für ca. 12-14 Tage, in Abhängigkeit von der Düngermenge. Danach ist eine phytosanitäre Wirkung nicht mehr vorhanden.
Auch beim späteren Anwendungstermin kann es zur Wirkungsminderung kommen, sei es zu trocken für die chemische Umsetzung des Kalkstickstoffs oder das Cyanamid dringt nicht tief genug in den Boden ein. Somit werden maximal die Drahtwürmer in der obersten Bodenschicht abgetötet.
Bei Monceren +G muss der Wirkstoff durch Fraß bzw. Kontakt aufgenommen werden.
Eine letale =abtötende Wirkung kann nur erzielt werden, solange die Konzentration in den Wurzeln/im behandelten Boden ausreichend hoch ist. Mit Fortschreiten der Vegetation erfolgt einerseits eine Verdünnung der Konzentration durch Massenzuwachs. Hinzu tritt eine Verlagerung des Wirkstoffes ins Blatt. Daneben vergrößert sich zusehends das alternative Nahrungsangebot durch neu gebildete Wurzeln von Kartoffeln und/oder von der Beikrautflora.
Allgemein gilt: Drahtwürmer sind nicht fixiert auf die Wurzeln/Knollen von Kartoffeln. Sie fressen mehr oder weniger alle lebende Wurzeln.

Konsequenz: Der Bekämpfungserfolg hängt im Wesentlichen ab vom richtigen Zeitpunkt, einer letalen Konzentration des Wirkstoffes und dem Fernhalten alternativer Nahrungsquellen ( Unkräuter).
Bei zu frühen Pflanzterminen mit Bodentemperaturen unter 8 - 10 °C ist der Einsatz von Kalkstickstoff oder Monceren +Gaucho praktisch wirkungslos, d.h. unrentabel. Wesentlich bessere Erfolge sind bei höheren Bodentemperaturen zu erwarten.
Sofortmaßnahmen bei Drahtwurmbefall in der Vegetation 2004
Die einfachste und effektivste Maßnahme ist sofortiges Roden beim Auftreten von Fraßschäden.
Eine weitere Möglichkeit zur Verringerung der zu erwartenden Schäden bietet evtl. die sofortige Einsaat einer schnellwachsenden Gründüngung z.B. 5 bis 8 kg/ha Gelbsenf als Ablenkungsfütterung. Diese Kultur sollte sehr schnell auflaufen und Wurzeln bilden, bevor die Wurzeln der Kartoffel total absterben.


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Entwicklung und Insektizidresistenzstatus beim Kartoffelkäfer

U. Preiß 1), P. Racca 1) , E. Jörg 2), P. Wegorek 3)
1) ZEPP, Rüdesheimerstraße 60-68, 55545 Bad Kreuznach
2) Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Rüdesheimerstraße 60-68, 55545 Bad Kreuznach
3) Instytut Ochrony Roslin, ul. Miczurina 20, PL-60318 Poznan, Polen

Seit 2001 wird von verstärkten Kalamitäten durch Leptinotarsa decemlineata in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Hessen berichtet. Aufgrund der warm - trockenen Witterung kam es zu erhöhten Populationsdichten in 2003. Außerdem waren die durchgeführten Bekämpfungsmaßnahmen oft nicht sehr erfolgreich. Als Ursachen waren Minderwirkungen durch den Einsatz der Insektizide bei hohen Temperaturen und das Auftreten von Insektizidresistenzen zu identifizieren.
Ein aktueller Resistenzstatus bestimmter Gebiete wurde in den Jahren 2002-2003 in einem Gemeinschaftsprojekt der o.g. Institutionen untersucht. Verglichen wurden dabei verschiedene Populationen aus Deutschland und Polen. Ziele der Untersuchungen waren der Vergleich verschiedener Modelle zur Berechnung des Resistenzstatus und die Entwicklung einer Anti - Resistenzstrategie. Dabei wurden Untersuchungen zur Biologie der Populationen durchgeführt, die auch der Optimierung der SIMLEP - Modelle dienen.
Der Resistenzstatus wurde mit Hilfe der IRAC (Insecticide Resistance Action Committee) - Methode Nr. 7 untersucht. Die Ergebnisse aus dem Untersuchungsgebiet in Rheinland-Pfalz zeigten, dass in bestimmten Kartoffelbaugebieten eine Resistenz der Kartoffelkäfer gegen Pyrethroide feststellbar ist. Der Resistenzlevel war bei den untersuchten polnischen Stämmen deutlich höher als bei den deutschen Stämmen. In den vergangenen Jahren wurden auch Stämme aus Rheinland - Pfalz gefunden, bei denen ein beträchtlicher Anteil Tiere (> 30 %) Aufwandmengen von 300 ppm (doppelte Aufwandmenge!) überlebten. Die Untersuchungen zeigten eindrucksvoll, wie wichtig eine termingenaue Bekämpfung der Junglarven ist. Die Stadien L3/4 von L. decemlineata sind offensichtlich sehr gut in der Lage, die Wirkstoffe zu detoxifizieren. Sie weisen LC90/LC95-Werte auf, die gegenüber den L1/2-Stadien um das dreifache bei Ultracid und um das fünffache bei Karate Zeon erhöht waren. Das zeigt, dass nur die Larven im empfindlichen L1/2 - Stadium mit einem ausreichenden Erfolg bekämpft werden können. Der rechtzeitigen Terminierung und damit der Nutzung von SIMLEP3 kommt daher eine Schlüsselposition in integrierten Bekämpfungssystemen zu. Um den Bekämpfungserfolg zu maximieren und die Resistenzbildung zu verzögern, sollte vor allem in Gebieten mit regelmäßiger Kartoffelkäferbekämpfung das SIMLEP3-Modell schlagspezifisch eingesetzt werden.
Weitere Untersuchungen zur Biologie von L. decemlineata ergaben, dass eine Bodentemperatur von 15 °C in 20 cm Tiefe als Schwelle für das Erscheinen der Adulten aus dem Boden bestätigt werden kann. Der Einfluss von erhöhter Bodenfeuchtigkeit auf die Anzahl überwinternder Käfer zeigte, dass die Mortalität der „nass gehaltenen“ Käfer gegenüber den unter natürlicher Bodenfeuchte gehaltenen um den Faktor 4 höher war. Das Geschlechterverhältnis war in beiden Fällen gleich.
Beim Vergleich der Eiablage war festzustellen, dass die Weibchen des polnischen Stammes deutlich mehr Eier ablegten. Bei der deutschen Population wurden alle Larvalstadien und auch das Puppenstadium schneller durchlaufen, sodass die benötigte Temperatursumme vom Schlupf L1-Larve bis zum Schlupf der Käfer bei der polnischen Population um 10 % verlängert war. Die Variabilität der Stadienlänge war bei dem deutschen Stamm geringer.


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Kartoffelkäfer - Warndienst im Internet ab 2004 Benno Kleinhenz1), Uwe Preiß 1
1) ZEPP, Rüdesheimerstraße 60-68, 55545 Bad Kreuznach

Ab dem Frühjahr 2004 wird unter www.isip.de neben dem Phytophthorawarndienst zusätzlich ein Kartoffelkäferwarndienst angeboten werden. Dieser basiert auf dem Prognosemodell SIMLEP3 sowie Feldbeobachtungsdaten und Hinweistexten der Pflanzenschutzdienste der Länder (PSD).
Das SIMLEP3 - Modell wurde langjährig (1998-2003) erfolgreich validiert. Das temperaturabhängige Simulationsmodell bildet die Entwicklung des Kartoffelkäfers von der Eiablage bis zum Auftreten der Altlarven ab. In den sensiblen Zeiträumen des Massenauftretens von Eigelegen und Junglarven wurden mit 97 % bzw. 86 % Übereinstimmung hohe Trefferquoten erzielt. In der Praxis wird SIMLEP3 bei mehreren PSD seit mehreren Jahren erfolgreich eingesetzt. Für die Bekämpfungsempfehlung wird ein Richtwert von 15 Larven je Pflanze zu Grunde gelegt, der durch Untersuchungen in Rheinland-Pfalz abgesichert wurde.
Die SIMLEP3 - Berechnungen gelten immer für den konkreten Schlag. Das Startdatum ist der Termin des Erstfundes von Eigelegen. Die Anzahl Eigelege dieses Termins sind mit einem Stichprobenumfang von mindestens 25 Pflanzen zu erfassen. Die Berechnungsergebnisse des Modells sowie die Resultate der Freilanderhebungen der Pflanzenschutzdienste werden sowohl in Tabellenform als auch auf einer Landkarte dargestellt. Diese Darstellungen bieten die Möglichkeit, die Prognoseergebnisse aus dem SIMLEP3-Modell mit den Ergebnissen der Feldbeobachtungen direkt zu vergleichen.
Im Internet können die Nutzer für jeden Kartoffelschlag individuelle Berechnungen durchführen. Als Input werden benötigt:
Das Datum, an dem auf dem Schlag zum ersten Mal Eigelege gefunden wurden.
Die gefundene Gesamtzahl Eigelege (zum Termin Erstfund von Eigelegen). Dabei wird davon ausgegangen, dass an 5 Stellen je 5 Pflanzen = insgesamt 25 Pflanzen untersucht wurden.
Datum der letzten Bonitur, bei der zum letzten Mal KEINE Eigelege gefunden wurden. Sollte eine solche Bonitur nicht erfolgt sein, weil z.B. zu spät begonnen wurde, dann ist formal der 01.01. (Voreinstellung) als solcher Termin anzugeben.
Die Termine des schlagspezifischen Berechnungsergebnisses werden dann in einer Tabelle mit folgenden Spalten ausgegeben:

  • Erstauftreten von Junglarven im Larvenstadium L1/L2 (2-3 mm Größe)
  • Erstauftreten von Altlarven im Larvenstadium L3/L4 (4-10 mm Größe)
  • Zeitspanne der maximalen Anzahl Eigelege
    Diese nennt auch den günstigsten Zeitraum für eine Entscheidungsbonitur bei Berücksichtigung einer Bekämpfungsschwelle von Eigelegen.
  • Zeitspanne der maximalen Junglarvendichte
    Diese nennt den günstigsten Zeitraum für eine Bekämpfung bei Berücksichtigung einer Bekämpfungsschwelle für Larven. Für den Zeitraum der maximalen Junglarvendichte werden zwei Prognosen erstellt: eine ”Vorprognose” und eine ”endgültige Prognose”. In der Mehrzahl der Fälle werden ”Vorprognose” und ”endgültige Prognose” übereinstimmen. In Jahren, in denen nach Erstellung der ”Vorprognose” ein kühler Witterungsabschnitt zu beobachten ist, kann sich der prognostizierte Zeitraum für das Massenauftreten der Junglarven etwas verspäten.

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Last modified: Sat Nov 27 17:29:27 CET 2004